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08.03.2009
Ich lese heute mit anderen Augen
 
SWB: Frau Günther, aus Ihrer Biografie entnehme ich, dass Sie in Hoyerswerda geboren sind und dort aufwuchsen. Ist die Handlung Ihres Kriminalromans deshalb dort angesiedelt?

Nora Günther: Ja, schon. Ich habe mit Hilfe meiner Familie über 20 Jahre Material und Hintergrundinformationen aus Hoyerswerda sammeln können. Mein Krimi hat somit Lokalkolorit, ist aber keine Chronik oder eine Abhandlung. Er sollte jedoch so glaubwürdig wie möglich sein. Nach der Veröffentlichung, die eigentlich noch vor dem historischen Roman erfolgen sollte, bestätigten mir viele Einheimische diese Glaubwürdigkeit.

Ihr Debütroman „Sturm der Verdammnis" war ein historischer Roman, dann kam der Krimi. Wie geht es weiter?

Mit einem historischen Roman. Im Oktober wird „Aribo, Ritter der Harigfeste" herausgegeben, der natürlich wieder mit ausführlichen Detailinformationen zu den geschichtlichen Hintergründen gespickt ist. Er handelt vom mittelalterlichen Leben im EIbe-Elster-Gebiet um 1230. Die Recherche für einen historischen Roman ist sehr aufwendig ... da gebe ich Ihnen Recht. Für den ersten Roman haben mein Mann und ich fast fünf Jahre recherchiert. Wobei er mir als Heimat- und Ahnenforscher die Fakten lieferte. Ich kümmerte mich mehr um die Dinge, wie beispielsweise die Speisekarte ausgesehen hat, welche Kleidung zu dieser Zeit getragen wurde und ähnliches. Für den neuen Roman gingen zwei Jahre intensiver Recherche ins Land. Mittlerweile habe ich sehr gute Beziehungen zu den Heimatforschern aus der Region, vor deren Arbeit ich im Übrigen sehr großen Respekt habe. Aber mein größter Kritiker - und, das hilft mir natürlich - ist und bleibt mein Mann. Er sagt mir beispielsweise, wenn ich meinen Helden noch mehr leiden lassen kann.

Könnten Sie sich vorstellen - als Mutter von drei Kindern - ein Kinderbuch zu schreiben?

Nein, eigentlich nicht. Was aber immer wieder mit in meine Werke einfließt, ist der Kindermund. Damit ich die lustigen Aussprüche und Anekdoten nicht vergesse, habe ich mir eine Merktafel zugelegt.

Gibt es literarische Vorbilder?

Mir gefällt die Art von Alexandre Dumas und Victor Hugo. Seitdem ich selber schreibe, lese ich aber keine Bücher mehr aus meinem Genre, da ich mich nicht beeinflussen lassen möchte. Ich bewundere auch Stephen King, den Meister des Wortes und auch die Psychothriller von Joy Fielding fesseln mich. Und, obwohl ich ja nicht zur Zielgruppe gehöre, lese ich dank meiner Töchter seit Kurzem sehr gern die Jugendromane von Stephanie Meyer. Mich fasziniert es, dass sie über so viele Seiten die Spannung halten kann. Das macht süchtig. Ich möchte auch dort hinkommen, dass die Leute meine Bücher nicht mehr weglegen können. Leider muss ich auch sagen, dass ich mit meinem heutigen Wissensstand vieles mit anderen Augen lese. Ich merke genau, hier fangen die Fakten an, dort handelt es sich um eine fiktive Person.

Wie darf ich mir denn den Alltag der Autorin Nora Günther vorstellen?

Seit 2004 habe ich mir ganz bewusst vorgenommen, mein Leben dringend zu organisieren. Im normalen Tagesgeschäft ist konstruktives Schreiben nicht möglich. Daher bin ich seit 2005 als freie Autorin tätig. Der Tag beginnt um 7 Uhr eigentlich mit einer Sporteinheit. Die hat ehrlich gesagt in letzter Zeit aber ganz schön gelitten. Dann setze ich mich an mein Manuskript. Wenn ich richtig vertieft im Schreiben bin, dann vergesse ich schon mal alle anderen Dinge. Am Nachmittag bleibt Zeit für die Buchhaltung, die Belieferung der Buchläden sowie für Terminvergaben von Lesereisen und Akquise. Ein Schriftsteller macht ja vieles auch im Selbstversuch. Bis zu bestimmten Grenzen mache ich das natürlich auch. Ich muss ja wissen, welche Zeit ein Mensch benötigt, um durch die Gassen von Mühlberg zu humpeln. Wie es sich anfühlt, wenn man vor Hunger nicht einschlafen kann oder welche Gedanken einem nachts im Wald kommen. Selbstverständlich muss auch noch Zeit für die Familie bleiben.

Gespräch: Claudia Höhne

Termine der Autorenlesung:
20. März, 17 Uhr Diakonat Mühlberg
28. März, 19 Uhr Kleine Galerie Hans Nadler, Elsterwerda

Kurs „Kreatives Schreiben" mit Nora Günther
16. März, 19 Uhr KVHS Bad Liebenwerda

Quelle: Sonntagswochenblatt / Elbe-Elster / Ausgabe vom 08.03.2009
Presse Seit 2005 als Schriftstellerin tätig: Nora Günther. Foto: SWB/Höhne
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Wenn man mit dem Schreiben anfängt, ist man zu 98% blanker Autor und zu 2% Kritiker. Nachdem man eine Zeitlang schreibt, begreift man eine ganze Menge über das Handwerk und wird zu 2% blanker Autor und zu 98% Kritiker.
David Westheimer
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